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Fotografie von Lutz Jäkel.
 
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Dubai - New Arabian Cuisine - Leseproben

Vom Lamm im Wüstensand zur internationalen Haute Cuisine. Ein kurzer Weg

Dubai ist das aufstrebendste Emirat im arabischen Raum. Hier lebt, arbeitet und trifft sich die Welt. Dieser internationale Einfluss hat auch zu einer neuen Geschmacksvielfalt geführt. Nur eine arabische Haute Cuisine fehlte bisher.



Fotografie von Lutz Jäkel. Größer? Klicken!"In den Wüsten Südarabiens gibt es keinen Wechsel der Jahreszeiten, kein Steigen und Fallen der Säfte, sondern nur öde Wüsten, in denen nichts als der Wechsel der Temperatur den Lauf der Jahre anzeigt. Es ist ein strenges knochentrockenes Land, das weder Milde noch Behaglichkeit kennt. Dennoch leben dort seit Urzeiten Menschen. Generationen von Nomaden haben an ihren Lagerplätzen verrußte Steine, auf den weiten Kiesebenen ihre kaum mehr erkennbaren Wegspuren zurückgelassen. Anderswo hat der Wind die Fußspuren verwischt."

So beschreibt der englische Expeditionsreisende Wilfred Thesiger seine Eindrücke über die Wüste Rub al-Khali, das Leere Viertel, das er in den 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts durchquerte. Heute, am Rande dieser Wüste, ist es nicht mehr ganz so leer. Es gibt vor allem viel Beton und Asphalt, die den Wüstensand verdrängen und keine Fußspuren mehr hinterlassen. Lagerplätze gibt es dafür viele. Nur sind sie nicht mit verrußten Steinen gekennzeichnet, sondern mit erlesenem Marmor, feinstem Satin oder goldverzierten Säulen. An diesem Rand liegt Dubai.

Sanft streicht Ibrahim bin Muhammad über seine Gewürze. Der alte Händler im Suq von Dubai wirkt dabei wehmütig, es scheint, als streichelte er seine Kinder. "Dubai hat innerhalb einer Generation seine Seele verloren", klagt er. "Aber meine Gewürze nicht. Seit Jahrtausenden sind sie unentbehrlich und werden es immer bleiben." Sein genaues Alter kennt Ibrahim nicht, aber gut siebzig Jahre dürften es schon sein, schließlich erinnert er sich noch an das alte Dubai, als hier noch die kleinen Boote der Fischer und Perlentaucher und die Daus, alte Handelsschiffe, am Strand festmachten. Einen richtigen Hafen gab es nicht. Und der Creek, der rund 14 Kilometer lange Meeresarm und eine wichtige Verkehrsader, war noch nicht ausgebaggert. Bei Ebbe war es den Daus nicht möglich, anzulanden, die Anker mussten vor der Küste geworfen werden, die Waren wurden mit kleinen Booten umgeladen und an Land gebracht. Das ist noch gar nicht so lange her. Beim Anblick des heutigen Dubais fällt es allerdings schwer, sich diese Zeit vorzustellen.

(...)

Ein Kunde bleibt vor dem Stand stehen. Er riecht an den schönen, dunkelgrünen Curryblättern, die ihm Ibrahim reicht, und betrachtet die wohlgeformten Zimtstangen und die dunklen Luumis, getrocknete Limonen. Eine gute Qualität. "Was würdest du damit machen?" fragt Ingo Maaß, Chefkoch des JW Marriott Hotels, den alten Händler auf Englisch, der Verkehrs- und Handelssprache am Golf. Jeglicher Wehmut scheint verflogen, als dieser ohne zu zögern antwortet: "Madschbuus! Hammour-Fisch mit Luumis, Zimt und Curryblättern, dazu ein paar Datteln. Kann es etwas Köstlicheres geben?" Ingo Maaß freut sich über die Antwort. "Das ist neben dem im heißen Wüstensand gegarten Lamm ein traditionelles Gericht der Golfstaaten", erläutert er. "Es ist immer noch sehr verbreitet und beliebt. Sozusagen ein Klassiker. Der alte Mann kennt es bestimmt seit Kindheitstagen." Der Händler nickt zustimmend als verstünde er.

Fotografie von Lutz Jäkel. Größer? Klicken!Der französische Koch Christian Jean, der dazu kommt, riecht ebenfalls am Zimt. Er schließt dabei die Augen. Dann fragt er seine Kollegen: "Habt ihr schon mal Fisch in Zimt gewälzt und dann angebraten? Ich kann mir vorstellen, dass das gut zusammen passt." Chef Amgad aus Ägypten ist skeptisch: "Fisch in Zimtkruste? Das kann ich mir zwar nicht so ganz vorstellen, aber es klingt zumindest interessant. Lasst es uns heute Abend ausprobieren." Während Khalil Zakhem, der syrische Koch aus Damaskus, mit einem jungen Händler aus dem Iran um Safran aus dessen Heimat verhandeln, beobachtet Chef Ingo den alten Händler, wie er seine Gewürze sortiert, dabei wieder in Gedanken versunken scheint.

Dieses Bild erinnert ihn an seine Großmutter, daran, wie sie am Herd steht, dabei auch die Welt um sich herum zu vergessen scheint, und ihre Spezialität brutzelt, auf die er sich als Kind immer so sehr gefreut hat: Bouletten. Oft stand er neben ihr und schaute sich die ersten Kochfertigkeiten ab. Eines Tages fragte er "Oma Maaß", warum sie die leckeren Fleischklopse immer auf dieselbe Weise zubereite, ob man nicht mal anders machen könne. "Das hat meine Mutter und davor ihre Mutter auch schon immer so zubereitet", war ihre Antwort. "Warum sollte ich das also ändern? Es ist ein Familienrezept. Schmecken sie dir etwa nicht mehr?" Natürlich schmeckten sie ihm noch. Bei diesen Erinnerungen muss er schmunzeln. "Warum sollte ich das also ändern?" Diese Frage bekommt er von seinen Köchen heute oft zu hören. Auch der alte Händler würde wahrscheinlich irritiert schauen, würde man ihn fragen, ob er oder seine Frau das Madschbuus-Rezept ab und an variiere.

(...)


Kochen ohne Alkohol? Kochen ohne Alkohol!

Oder von der Lizenz zum kriminellen Trinken

Foyer JW Marriott Hotel, Dubai. Foto © Lutz Jäkel. Größer? Klicken!Köche, die in arabischen oder islamischen Ländern arbeiten, müssen sich manchmal an Besonderheiten gewöhnen, die in anderen Ländern unbekannt sind. Im Ramadan beispielsweise fasten strenggläubige Muslime einen Monat lang von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Das bedeutet: Muslimische Köche können - oder dürfen - am Tage nichts abschmecken. Dubai ist kosmopolit, also gibt es auch in der Kochbrigade von Chef Ingo eine ganze Reihe von Muslimen. Die anderen, vorzugsweise christlichen, hinduistischen oder buddhistischen Köche beklagen ihr Leid: Alle paar Minuten bekommen sie von ihren muslimischen Kollegen einen Löffel unter die Nase gehalten, um Suppen, Nachspeisen und Saucen abzuschmecken.

Eine andere Besonderheit ist das Kochen ohne Alkohol. Ein definitives Vorbot des Genusses von Alkohol für Muslime ist dem Koran zwar nicht zu entnehmen, aber einige Verse lassen eine solche Interpretation durchaus zu. Der Aufruf des Korans, man sollen nicht betrunken zum Gebet erscheinen, kann man noch als gutgemeinte Aufforderung verstehen, den Ablauf der rituellen Handlungen nicht zu stören. Der Prophet Muhammad soll von Anblicken betrunkener Muslime in seiner frühmuslimischen Gemeinde nicht verschont worden sein. Dattelwein war auch in Mekka und Medina etwas Feines. Offenbar nahmen die Gelage unrühmliche Ausmaße an, denn der im Koran folgende Vergleich, Alkohol sei Teufelszeug, ist in seiner ermahnenden Aussage schon deutlicher. Die Mehrheit der islamischen Theologen interpretiert dies als klares Verbot und verteufelt Alkohol als schlimmste Sünde. Und viele Muslime halten sich an das Gebot, keinen Alkohol zu trinken.

(...)

Das in westlichen Ländern nicht ungewöhnliche Bild von angeheiterten Menschen auf der Straße, findet man in arabischen Ländern nicht. Man muss sich allerdings fragen, wie all die Abgestürzten aus den Spelunken in Kairo, Alexandria oder Tunis den Weg nach Hause finden. Bis auf Libyen und Saudi-Arabien kann man Alkohol kaufen, arabische Weine vor allem aus dem Libanon, ebenso wie der Anisschnaps Arak gelten als Spezialitäten. Allerdings gibt es dafür nicht Supermärkte, sondern spezielle Alkoholläden. In arabischen Städten befinden diese sich entweder in den christlichen Stadtteilen oder sind von außen als solche nur schwer erkennbar. In Dubai sind Alkoholläden mit all erdenklich Erlesenem an Weinen, Spirituosen und Bieren bestückt, von außen sind sie aber genauso unauffällig. Man muss wissen, wo man sie findet. Und nicht jeder darf Alkohol kaufen. Emiratis zum Beispiel.

Um das zu kontrollieren, muss ein Ausländer - ein nichtmuslimischer Ausländer wohlgemerkt! -, für umgerechnet 25 Euro eine jährlich zu verlängernde Alkohollizenz erwerben, die so genannte "Annual Licence to Acquire Alcoholic Drinks", die auf dem "Dubai Alcoholic Drinks Law 1972" beruht und von keinem geringeren als dem "Director-General Department of Criminal Investigations" ausgestellt wird. Die Lizenz ist auf monatliche Kontingente limitiert, und ein Kasten Bier kostet umgerechnet 25 Euro. Ist der möglichst nicht einsehbar im Auto verstaut - am besten unter den in undurchsichtige schwarze Tüten verpackten Weinflaschen -, sollte der kürzeste Weg nach Hause angesteuert werden. Denn wird man kontrolliert und befindet sich zufällig in entgegengesetzter Richtung zur Wohnadresse, ist damit zu rechnen, des versuchten illegalen Handels beschuldigt zu werden. Man könnte ja Muslimen etwas verkaufen wollen.

(...)

Texte & Fotos © Lutz Jäkel

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